20 Jahre GWN – mit Zuversicht in die Zukunft

Die Nümbrechterinnen und Nümbrechter haben allen Grund zur Freude: seit nunmehr 20 Jahren haben sie (wieder) ein eigenes Gemeindewerk, das sich um die Strom- Gas- und Wasserversorgung kümmert. Im Gegensatz zu vielen anderen Stadt- und Gemeindewerken ist die GWN auch nach wie vor zu 100% im alleinigen Besitz der Gemeinde, so dass das Unternehmen tatsächlich unabhängig agieren kann.

Durch die eigene Stromversorgung bleibt das Geld im Ort, und davon profitieren alle Bürger, viele Unternehmen und natürlich auch die Kommune selbst, so sind im Laufe der Jahre beispielsweise bereits über 20 Arbeitsplätze im Ort entstanden.

Der Weg zum eigenen Gemeindewerk war gar nicht so einfach …

Der Weg zum eigenen Gemeindewerk
Zu Beginn der Industrialisierung am Anfang des 20. Jahrhunderts hatten die Städte und Gemeinden meist ihr eigenes Stromnetz aufgebaut, im Laufe der Jahre wurden diese dann miteinander verbunden und von den entstehenden überregionalen Stromkonzernen übernommen, die sich um die gesamte Energieverteilung kümmerten (und den Gemeinden lediglich relativ niedrige Abgabe für die Nutzung der Straßen zahlten).

Seit Anfang der 1980er-Jahre wurde in Nümbrecht darüber nachgedacht, die Stromverteilung wieder in kommunale Hände zu übernehmen. Dafür gab es zwei wichtige Gründe: die Finanzen und der Wunsch nach einer zukunftsweisenden Energiepolitik. Der damalige Stromversorger verdiente gutes Geld in Nümbrecht, aber die Gewinne wanderten in die Taschen der Aktionäre. Die Gemeinde – und damit die Bürger – hatten nur sehr wenig davon, da aufgrund der alten Verträge nur eine sehr niedrige Konzessionsabgabe gezahlt wurde. Darüber hinaus wollte die Gemeinde eine unabhängige, nachhaltige und langfristig sichere Energieversorgung für alle Bürgerinnen und Bürger.

Dies war ein gewagter Schritt, Nümbrecht war eine der ersten Gemeinden, die diesen Schritt wagen wollte. Es mussten zahllose Pläne gemacht, Berechnungen angestellt und Gutachten beurteilt werden, bis die Gemeinde sich zu diesem Schritt entschloss. Ab 1980 fanden Gespräche und Verhandlungen mit den Genossenschaften und dem RWE statt. Der Plan der Gemeinde Nümbrecht, eine eigene Energiepolitik zu betreiben und damit unabhängig zu werden, wurde von den großen Stromkonzernen heftig bekämpft, was darin gipfelte, dass mit aller Macht versucht wurde, zu verhindern, dass das Stromnetz (wieder) in den Besitz Gemeinde zurück geht.

Darum wagte es die Gemeinde Nümbrecht, Mitte der 90er-Jahre einen Antrag auf eine einstweilige Verfügung für die Übernahme des Stromnetzes zu stellen. Bei dieser Art von Gerichtsentscheid handelt es sich um ein sogenanntes Schnellverfahren, denn ein Prozess unter Ausnutzung sämtlicher Instanzen bis hin zum Bundesgerichtshof kann leicht sechs oder mehr Jahre dauern. Nachdem das Landgericht Köln zunächst den Antrag abgelehnt hatte, gab das Oberlandesgericht Düsseldorf der Gemeinde dann in vollem Umfang Recht.

Mit einem solchen Ausgang des Prozesses war in der Stromszene nicht gerechnet worden. Die einstweilige Verfügung sah vor, dass das Hauptsacheverfahren innerhalb von 10 Jahren geführt werden muss – oder aber, dass eine außergerichtliche Einigung über den endgültigen Kaufpreis bis dahin stattfinden müsste. Einige Jahre nach der Übernahme der Stromverteilung konnte im Rahmen der Verhandlungen für einen Stromlieferungsvertrag mit dem RWE dann der endgültige Kaufpreis zur Zufriedenheit der Gemeinde Nümbrecht verhandelt werden, und ein weiterer, langwieriger Prozess wurde dadurch überflüssig.

Nachträglich kann man sagen, dass die Entscheidungsträger in der Gemeinde Nümbrecht damals viel Mut und Weitsicht bewiesen haben, als sie sich zu diesem Schritt entschlossen.

Jetzt ging die Arbeit erst richtig los
Nach dem grandiosen Prozesserfolg begann aber dann die eigentliche Knochenarbeit. Mit der kommunalen Stromversorgung durch das eigene Gemeindewerk hat der Rat der Gemeinde Nümbrecht als das von den Bürgern gewählte Entscheidungsgremium die Möglichkeit, auf die Unternehmenspolitik, die Preisgestaltung und die Art der Stromversorgung (Naturstrom etc.) Einfluss zu nehmen, und zahlreiche Entscheidungen mussten getroffen werden.

Das Netz der Gemeinde Nümbrecht musste aus dem riesengroßen RWE-Netz heraus getrennt werden. Aus diesem Grund musste um praktisch ganz Nümbrecht herum eine so genannte »Ringleitung« im Boden verlegt werden. Da die GWN (bis heute) den Strom aus der Umspannanlage des RWE in Waldbröl abholen muss, wurde darüber hinaus eine 13 km lange 30-kV-Leitung in den Boden gelegt, und zusätzlich eine nagelneue, hochmoderne Umspannanlage im Bereich der Homburger Papiermühle errichtet.

Nachdem im April 1998 diese Transformatorenstation eingeweiht worden war, zog die GWN mit insgesamt 6 Mitarbeitern in ein kleines Haus in der Schulstraße 10 und begann unverzüglich damit, ein »richtiges« Gemeindewerk aus dem Boden zu stampfen.

Die eigentlich viel zu kleine Mitarbeitertruppe musste immer wieder zu Höchstleistungen auffahren, alle notwendigen Vordrucke und Formulare wurden selbst entwickelt, Bauanschlüsse wurden in rasender Geschwindigkeit errichtet, und dazu mussten natürlich auch die Kunden persönlich und individuell betreut werden. Bei ihrer ersten Jahresabrechnung allerdings hatte die GWN sich böse verkalkuliert: niemand hatte damit gerechnet, dass es tatsächlich so lange dauern würde, 8.000 Rechnungen von Hand in die Briefumschläge zu packen …

In den nächsten Jahren hat sich die GWN – wie bereits beim Start geplant – zu einem echten Dienstleistungsunternehmen mit einem kompletten Angebot für die Bürger der Gemeinde Nümbrecht erweitert. Da aus diesem Grund natürlich auch die Mitarbeiterzahl ständig wachsen musste, konnte die GWN im Frühjahr 2004 ihre schicke neue Geschäftsstelle in der renovierten ehemaligen »Bechler-Villa« beziehen und hatte endlich einmal genug Platz zum Arbeiten (… so sah es zumindest aus …).

Ein volles Programm
Die GWN liefert ihren Kunden Naturstrom, Gas, Wasser und Wärme, dazu betreibt sie die Abwasserentsorgung als Dienstleistung für die Gemeinde Nümbrecht. Das Gemeindewasserwerk wurde im Januar 2007 in die GWN integriert, seit diesem Zeitpunkt ist die Wasserversorgung in Nümbrecht privatrechtlich organisiert. Seit Januar 2008 betreiben die Gemeindewerke auch die Abwasserentsorgung auf der Grundlage eines Betreibermodells.

Zum 1. Januar 2011 hat das neue 100%-ige Tochterunternehmen der Gemeindewerke Nümbrecht – die Gemeindewerke Netz GmbH (GNN) – dann das Gasnetz von der AggerEnergie mit den dazugehörigen Gasverteilungsanlagen erworben, dieses Netz wird seitdem im Rahmen eines langfristigen Pachtvertrages an die AggerEnergie zurückverpachtet.

Mit der Übernahme der Wasserversorgung und der Abwasserentsorgung kamen weitere Kollegen aus den ehemaligen Eigenbetrieben der Gemeinde zu der GWN, und schon wieder drohte das Gebäude aus den Fugen zu platzen. Für eine ganze Zeit lang mussten für die neuen Kollegen Räume außerhalb der Geschäftsstelle angemietet werden, bis dann im Jahr 2013 – endlich – der hochmoderne Stahl-/Glasanbau an das historische Gebäude eröffnet werden konnte … und die GWN hatte endlich einmal genug Platz zum Arbeiten.

Das Stromnetz wird größer
Eine Besonderheit der Stromversorgung in Nümbrecht lag darin, dass im Gemeindegebiet noch drei Elektrizitätsgenossenschaften und ein Stromversorgungsverein tätig waren. Der Start der GWN erfolgte über einen Pachtvertrag mit der Genossenschaft Malzhagen, dieses Netz wurde im Jahr 2005 dann von der Genossenschaft erworben.

Im Jahr 2006 kaufte die GWN auch das Stromnetz der Genossenschaft Geilenkausen (Stadtgebiet Waldbröl), das Netz der Elektrizitätsgenossenschaft Bierenbachtal wurde zum 1. Januar 2013 von der GWN erworben. Die grundlegende Idee der Genossenschaften, selbstverantwortlich die Energieversorgung für die Bürgerinnen und Bürger zu organisieren, wird damit in dem kommunalen Unternehmen weiter fortgeführt.

Die neue Konzession
So schnell vergeht die Zeit: Am 31.12.2015 endete der erste Konzessionsvertrag zwischen der GWN und der Gemeinde Nümbrecht. Über einen Konzessionsvertrag erteilt die Gemeinde Nümbrecht einem Versorger das Recht, die öffentlichen Straßen, Wege und Plätze für die Verlegung von Energieleitungen zu benutzen. Diese Verträge müssen aufgrund der gesetzlichen Regelungen alle 20 Jahre neu ausgeschrieben werden, und in dem streng geregelten Auswahlverfahren müssen alle Bewerber gleichermaßen berücksichtig werden. Im April 2014 begann die Gemeinde mit der Ausschreibung der Konzession, und auch die noch bestehende Elektrizitätsgenossenschaft Bröltal und der Stromversorgungsverein Winterborn nahmen daran teil.

Nach intensiver Prüfung aller Angebote hat der Rat der Gemeinde Nümbrecht im April 2015 entschieden, dass die GWN das beste Angebot machte, und dass sie darum die Konzessionen für alle drei Versorgungsgebiete erhalten soll.

Einheitliche Stromversorgung in Nümbrecht
Im Anschluss an die Erteilung der Konzession hat der Aufsichtsrat der GWN die Geschäftsführung beauftragt, Verhandlungen mit der Genossenschaft Bröltal und dem Stromversorgungsverein Winterborn zum Kauf der Netze aufzunehmen. Es wurden Verträge über die Netze und den Firmenwert mit beiden Unternehmen abgeschlossen, und damit ging die Grund- und Ersatzversorgung auch für diese Gebiete auf die GWN über.

Seit Januar 2016 erfolgt die Stromverteilung im Gebiet der Gemeinde Nümbrecht also vollständig durch die GWN. Damit wurde ein bereits 1980 formuliertes Ziel der Gemeinde, nämlich die einheitliche Stromversorgung in ganz Nümbrecht, umgesetzt.

Gut aufgestellt in die Zukunft
Neben dem reinen Verkauf von Energie entwickelt die GWN auch einmalige und innovative Nahwärmekonzepte. Dies kann beispielsweise in dem Neubaugebiet Sohnius-Weide betrachtet werden. Hier wird sogenannte »Kalte Wärme« über eine Soleleitung zu einzelnen Wärmepumpen geführt. Dabei handelt es sich um ein technisch besonders interessantes Projekt, mit dem Nümbrecht nachhaltig beweist, dass auch ein »kleines« Gemeindwerk innovativ, agil und vorausschauend handeln kann.

Grundsätzlich schaut die GWN daher sehr zuversichtlich in die Zukunft: Nümbrecht hat inzwischen ein hochmodernes Netz und mit der GWN ein florierendes Unternehmen mit großartigen Mitarbeitern. Die Gemeindewerke haben es bisher immer geschafft, durch ein faires Angebot und durch persönliche Ansprache zu überzeugen. Die GWN empfindet sich als »Energieversorgung in Bürgerhand« und ist stolz auf die hohe Qualität der Dienstleistung. Bei GWN sind Kunden keine Nummern, es findet ein ständiger Austausch mit den Kunden statt.

Die hohe Akzeptanz der GWN in Nümbrecht ist nicht zuletzt auch darauf zurückzuführen, dass das Unternehmen einen großen Teil der Gewinne (die man als GmbH erzielen muss) wieder an die Bürger zurückführt. Die Gemeinde ist ja immer weniger dazu in der Lage, sogenannte »freiwillige Ausgaben« in Nümbrecht zu gewährleisten. Aber gerade diese Ausgaben stellen einen großen Teil der Lebensqualität in einer Gemeinde dar. Darum spendet die GWN für Vereine, die Feuerwehr und Schulen in Nümbrecht, sie unterstützt Vereine mit Rat und Tat bei Dorffesten und ähnlichem, und sie hat ein nicht unerheblichen Anteil an Nümbrechter Musik- und Lichterfest und anderen Veranstaltungen in Nümbrecht.

Die GWN ist zu einem echten Stück Nümbrecht geworden, auf das die Bürgerinnen und Bürger zu Recht stolz sein können.